LaufStories

 

Kleine Lauf-Geschichtchen und Anekdoten

 abseits des Wettkampfgeschehens

 

 

 

"Läufer nach Wunsch" oder "Neulich im Imbiss"

 

Neulich war ich mal bei einer Imbisskette, die sich nach der New Yorker U-Bahn benannt hat. In diesem Schnellrestaurant kann man sich seine baguetteartigen Brote individuell zusammenstellen lassen, wenn man sich für einen "Grundtypen" entschieden hat.
"Was darf 's sein?" - "Ein Mal mit Truthahnbrust, bitte".
"Welches Brot?" - "Honey Oat, bitte."

Es wäre sicher interessant, wenn man sich seinen Körper auch so zusammenstellen könnte.
"Was darf 's sein?" - "Ein Mal Läuferbeine, bitte."
"Welches Geschlecht?" - "Männlich, bitte."

 

"Kleines oder großes Brot?" - "Ein kleines reicht."
Kaum auszumalen, was man so für Möglichkeiten hätte.
"Ein oder zwei Beine?" - "Ein linkes, ein rechtes; jeweils mit Fuß"


"Das Brot frisch getoastet oder lieber soft?" - "Getoastet, bitte".
Unzählige Kombinationen ständen einem offen.
"Die Beine blass oder gebräunt?" - "Gut gebräunt und knackig, bitte"

 

"Mit Frischkäse oder Remoulade?" - "Ich nehme den Frischkäse."
Für jeden Geschmack wäre was dabei.
"Schnelle oder langsame?" - "Ich nehme die schnellen."

 

"Gurken, Paprika, Salat...?" - "Keine Zwiebeln und keine Oliven, ansonsten komplett, bitte."
Manchmal fällt die Auswahl nicht leicht.
"Wadenmuskeln, Oberschenkelmuskeln, Achillesferse...?" - "Keinen Fußpilz und nur wenig Haare, ansonsten komplett, bitte. Und die Füße ohne Käse."

 

"Welche Soße?" - "Was haben Sie denn?" - "Sweet Onion, Honey Mustard, Mexican, Ceasar, Lite-Mayonnaise, BBQ." - "Dann nehme ich Honey Mustard."
Auswahlmöglichkeiten bis hin zu den Details.
"Welche Strecke?" - "Was haben sie denn?" - "Sprint, Mittelstrecke, Marathon, Ultra, Berglauf, Cross." - "Dann nehme ich Ultra."

 

"Zum Mitnehmen oder zum hier essen?" - "Zum Mitnehmen."
Einige Auswahlmöglichkeiten machen jedoch nur wenig Sinn.
"Zum Mitnehmen oder zum hier laufen" - "Ääääh, bitte...?? Zum Mitnehmen natürlich!"

 

"Darf 's sonst noch was sein?" - "Nein, danke."
Und zu guter Letzt die obligatorische Frage.
"Darf 's sonst noch was sein?" - "Nein, danke. Oder doch: wenn sie Bauchmuskeln da haben, nehme ich noch ein Six-Pack mit..."

 

 (26.01.08)

 

 

Urlaubsabschiedslauf

Ein Teil der Klamotten ist schon gepackt; morgen geht es wieder zurück nach Hause. Zwei Wochen Sylturlaub sind schon fast vorbei. Zwei Wochen, in denen Wetter und Waden mitspielten und einige schöne Läufe und Radtouren möglich machten.
Jetzt ist noch mal Zeit für einen Abschiedslauf. Ein lockeres Stündchen soll es werden.

Es ist für Mitte
April schon richtig warm geworden. Um die zwanzig Grad im Schatten, deutlich mehr in der Sonne und strahlender Sonnenschein. Ich kann in kurzen Sachen laufen. Zum letzten Mal schnüre ich meine Laufschuhe, an denen außer Sand diesmal auch etwas Wehmut klebt.

Von Wenningstedt geht es zunächst Richtung Osten, auf die Wattseite der Insel.
Diesmal nehme ich nicht die gewohnte Strecke, sondern biege nach ein paar Minuten nach rechts ab und bin gespannt,was mich erwartet. Meine Beine spüre ich deutlich, der Strandlauf zwei Tage vorher und die Radtour vom Vortag machen sich bemerkbar. Ich bin auch froh, dass ich meine Weste übergezogen habe, denn es ist recht windig.
Der Weg führt mich zwischen Pferdekoppeln und dem Flughafen hindurch nach Braderup mit seinen schmucken reetgedeckten Häusern. Ich navigiere mich Richtung Braderuper Kliff. Die Luft ist ganz klar, die Fernsicht prima; "Klaar Kimming", wie man hier sagt. Man kann von hier sogar Details von List an der Nordspitze der Insel erkennen.
Ich trabe ein paar Meter
bergab über Holztreppen in die Braderuper Heide, die direkt am Wattenmeer liegt, und nehme den Dünenwanderweg nach Norden Richtung Kampen. Es ist Flut, aber das Meer ist auf dieser Seite recht ruhig. In den Dünen liegen die ersten Sonnenanbeter und mir kommt eine größere Reitergruppe auf dem sandigen Weg entgegen. Ein Ausritt bei diesen Bedingungen ist bestimmt auch eine schöne Sache.

Ich lasse beim Laufen noch einmal die letzten Läufe Revue passieren. Beim letzten Lauf hier vor ein paar Tagen habe ich unter anderem Fasane und einen Riesenschwarm Knutts gesehen, der sich kaum dreißig Meter von mir zufrieden schnatternd die Leiber vollschlug.
Am Ortsrand von Kampen verlasse ich den Dünenwanderweg und biege nach Westen in den Ort ab. Schlagartig ist der
kühlende Gegenwind weg und ich habe das Gefühl, als hätte jemand eine Backofentür geöffnet.
Zwischen Einzelhäusern zu horrenden Immobilienpreisen hindurch erreiche ich die Dünenlandschaft am offenen Meer und
laufe den Weg zur Uwe-Düne, die eine Ausichtsplattform hat und bei diesem Wetter beste Fernsicht verspricht.
109 Stufen geht es hinauf. Ich möchte mir einen letzten Blick über die Insel gönnen. Aber oben zieht es wie
Hechtsuppe, deshalb schaue ich nur kurz und trabe die 109 Stufen wieder hinunter. Ein paar Meter weiter bin ich am Roten Kliff angelangt, auf dem ich zunächst oberhalb des Strandes entlang Richtung Wenningstedt laufe.
Wenig später wechsel ich dann an den Strand, laufe an der Wasserlinie weiter und lausche der Brandung. Der Boden ist
nicht zu weich und läßt sich gut laufen. Das sonnige Wetter hat bereits eine Menge Leute an den Strand geholt, die dort spazieren gehen oder sich in den Strandkörben aalen. Ein paar Tage vorher bin ich hier abends gelaufen, als die Sonne unterging. Herrlich. Als dann die Möwen vor der Silhouette der Sonne vorbeizogen war es fast schon kitschig.

Die Stunde ist bereits rum und links erscheint der Strandaufgang, der innerhalb weniger Minuten wieder zur
Ferienwohnung zurückführt. Aber ich entschließe mich dazu, den Lauf zu verlängern und mir noch ein paar laufende Minuten mehr am Meer zu gönnen. Schließlich werde ich mich ja die nächsten Monate wieder mit den heimischen Seen und Flüssen begnügen müssen. Bei "Gosch" verlasse ich dann aber den Strand und laufe die letzten Minuten auf der Strecke, auf der auch der "Syltlauf" stattfindet und die direkt an der Wohnung vorbeiführt, die ich nach gut 1:20 Stunden zufrieden und mit neuen Eindrücken wieder erreiche.

Das war's. Tschüß Sylt - hoffentlich bis irgendwann mal wieder.

(16.04.07)

 

 

 

 

Ein Lauf im Paradies


Ich ziehe die Haustür zu und drehe mich nach wenigen Metern noch einmal um. Meine Tochter winkt mir lächelnd vom Fenster aus zu, ich lächle und winke zurück. Als das Gartentürchen ins Schloss fällt bin ich schon auf dem weichen Wiesenweg.

 

Während ich zwischen bunten und duftenden Blumen meine ersten Laufschritte im Genusstempo mache, sehe ich in der Ferne schon das Meer glitzern.

Der breite Bach, den ich auf einer alten Holzbrücke überquere, strebt rauschend und glucksend dem Meer entgegen.

Ich erreiche ein kleines Birkenwäldchen. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages blitzen zwischen den weißen Stämmen hindurch und auf dem weichen Waldboden läuft es sich sehr angenehm.

 

Nach ein-, zweihundert Metern ändert sich die Vegetation und ich erreiche einen Dünenstreifen. Auf sandigen, aber gut zu laufenden Wegen trabe ich zwischen Strandhafer hindurch direkt auf das Meer zu. In diesem Moment ist die aufgehende Sonne am Horizont zu erkennen, die die Landschaft in ein warmes Licht taucht und die Wolken bunt einfärbt.

Über einen kleinen Pfad erreiche ich den Strand. So früh am Tag bin ich fast alleine. Lediglich ein Mann und sein Hund sind zu sehen und ich beobachte, wie der Vierbeiner begeistert herumtollt und Stöcke aus dem Meer apportiert.

Am Wasser wende ich mich nach rechts und laufe auf flachem, feuchten Sandboden direkt am Meer entlang. Manchmal muss ich ein wenig zur Seite hüpfen, wenn die auslaufenden Wellen zu sehr an den Strand schwappen.

 

Die aufgehende Sonne streichelt über die Haut und wärmt sie leicht, während die laue Brise leicht kühlend wirkt.

Ich genieße und lege etwas Tempo zu, ohne jedoch außer Atem zu geraten. Nach ein paar Kilometern verlasse ich den Strand und biege auf ein kleines Sträßchen ein, das leicht bergan auf eine Landzunge führt. Ich drehe mich kurz um und werfe noch einen Blick auf das ruhige, türkisfarbene Meer. Am anderen Ende der Landzunge zeigt sich das Meer tosender. Wellen klatschen gegen die Felsen. Ich bin weiterhin auf dem kleinen Sträßchen, jetzt ungefähr 30 Meter über dem Meeresspiegel. Keine Menschenseele weit und breit. Nur das Rauschen und Platschen des Wassers, das Gekreische der Seevögel und das Tapp-Tapp meiner Schritte sind zu hören. Ich verlasse die meditative Atmosphäre und biege auf einen kleinen Weg ab, der sich für die nächsten Kilometer in weiten Serpentinen sanft den Berg hoch windet. Links und rechts des Weges Wiesen, Weiden und Felder und gelegentlich eine Holzscheune. Ein paar Pferde laufen hinter einem Weidezaun ein Stück mit. Ich freue mich über die vierbeiniger Begleiter; sie scheinen den früher Morgen auch zu genießen.

 

So wie die Sonne gewinne auch ich immer mehr Höhenmeter. An einer knorrigen Holzbank stoppe ich kurz, nehme einen tiefen Schluck aus der Flasche und erfreue mich am grandiosen Panorama.

Vorbeilaufend an dösenden Schafen erkenne ich den kleinen Ort, der sich vor den schneebedeckten Bergen im Hintergrund abbildet. Wenige Minuten später erreiche ich die einzige Straße des Dörfchens. Im ersten Haus lehnt eine alte, faltige Frau im Fensterrahmen und beobachtet, wie der Ort langsam erwacht. Verständnislos blickt sie mir entgegen. Ich winke ihr zu, nach kurzem Zögern winkt sie zurück. Wir lächeln uns an, als ich unter ihrem geraniengeschmückten Fenster vorbeilaufe.

Am Brunnen des Ortes, unter einer alten Kastanie, wasche ich mir kurz das Salz aus dem Gesicht. Ein gibbelndes Grüppchen Schulkinder beobachtet mich, winkt aber auch fröhlich zurück. Ein paar von ihnen laufen ein Stück schweigend mit, fallen dann aber zurück.

Feldwege führen mich weiter bergauf. Ich genieße die Ruhe, nur das rhythmische Knirschen des Kieses unter meinen Schuhen ist zu hören.

Ein turtelndes Schmetterlingspärchen flattert aufgeregt um mich herum.

Meine Beine fühlen sich gut und kraftvoll an diesen Morgen. Ich beschleunige ein wenig und freue mich darüber, dass es so gut läuft.

Ein kleines Stück laufe ich noch alleine, bis ich auf einem Seitenweg einen Lauffreund entdecke. Wir begrüßen uns erfreut und laufen plaudernd gemeinsam weiter. Kurz danach ist die Bergkuppe erreicht. Der Blick reicht weit an diesem klaren Morgen. Wir prosten uns mit unseren Trinkflaschen zu und machen uns zusammen auf den Weg nach unten.

Die Strecke führt uns über schmale Pfade, kleine Holzbrückchen, auf denen wir Bäche überqueren, und an einem tiefgrünen Bergsee entlang, in dem sich das Bergpanorama spiegelt. Wir erfrischen uns kurz mit dem kühlen Wasser und erreichen auf dem weiteren Weg hinunter ins Tal ein kleines Kiefernwäldchen, dessen intensiver Duft an ein Schaumbad erinnert.

Im Wäldchen trennen sich unsere Wege und die letzten paar Kilometer ins Tal laufe ich wieder alleine.

 

Kurz vor dem Ortsrand sehe ich einen immer größer werdenden bunten Punkt auf mich zukommen. Es ist meine Tochter auf ihrem Fahrrad, die mich auf den letzten Metern begleiten will.

Gemeinsam beenden wir diesen mehrstündigen Lauf.

Und ein paar Minuten, nachdem das Gartentürchen erneut ins Schloss gefallen ist, stehe ich zufrieden unter der Dusche. Ein Grinsen überzieht mein Gesicht. Es war ein genialer Lauf.

 

Schade ist nur, dass ich ihn so nie wirklich erlebt habe, sondern höchstens einzelne Passagen.

Vermutlich gibt es diese Strecke auch nirgendwo auf der Welt.

 

Und wenn doch, dann muss es wohl im Paradies der Läufer sein...

 

(03.08.06)

 


 

Ein Tag im Leben eines Laufschuhs

 

Booooooh. Das ist so langweilig hier. Und so dunkel. Und der Smalltalk mit den Kollegen geht mir so langsam auf die Nerven. „Was für Sohlen hast Du denn so“ – „Wieviel Kilometer hast Du denn schon weg“ -  „Wo war er denn mit Dir schon überall?“. Ich kann das Geschwätz einfach nicht mehr hören. Es geht mir auf den Senkel – im wahrsten Sinne des Wortes.

Der rechte Trailschuh hinter mir im Regal erzählt schon seit einer Stunde vom letzten Lauf im Schnee und wie schön sauber er jetzt dadurch wieder ist. Bla bla bla. Im Sommer jammert er bestimmt wieder rum weil er kaum nach draußen kommt.

 

Ich will hier raus!!

Meinem Partner geht es auch so. Ich nenne ihn immer nur „der Linke“.

Zusammen sind wir hier die Könige im Regal, die Lieblinge vom Chef. Und ich bin der Oberkönig. Schließlich habe ich den ChampionChip zwischen den  Schnürsenkeln, was die anderen Treter ein wenig neidisch macht.

 

Draußen auf der Treppe sind Schritte zu hören. Hoffnung keimt auf. Die Tür geht auf, das Licht an. Jaaaaaa – es ist der Chef. In Laufklamotten. Bitte, bitte, bitte - nimm mich!!

Der Chef zögert einen kleinen Moment und greift sich dann meinen Partner und mich aus dem Regal. Ich jubiliere innerlich und grinse über die ganze Sohle.

Tschüß Kollegen, bis nachher. Ich komme jetzt erst einmal an die Luft.

 

Zunächst aber nur kurz; auf dem Weg zum Auto. Mein Job ist es dann erst einmal, zwischen Gas- und Bremspedal hin und her zu springen.

Aber endlich ist es so weit. Wir sind am See. Super – dann wird es bestimmt nicht langweilig. Hier ist immer was los. Mein Chef steigt aus und zieht noch mal die Schnürsenkel richtig an. Jetzt geht’s los! Nein – doch nicht. Der Herr muß noch mal pinkeln. Paß bloß auf, dass nichts runtertropft!

 

Nachdem wir dies unfallfrei hinter uns gebracht haben setzen wir uns in Bewegung.

Es ist herrlich. Gleichmäßig traben wir los, grüßen die entgegenkommenden Schuhe.

Man versteht sich unter den Laufschuhen; da ist es völlig egal, wo wir hergestellt worden sind. Auch die Discount-Treter werden gegrüßt. Da machen wir keine Unterschiede. Schließlich sind wir alle Kollegen.

 

Da hinten kommt uns ein paar grellfarbiger Leightweight-Trainer entgegen. Schnelle Hirsche! Wahrscheinlich ein Tempolauf. Freundlich hebe ich die Senkelspitze zum Gruß, aber die zwei rauschen grußlos vorbei. Arrogante Pinsel! 

 

Ein paar Meter weiter versuchen wir, uns zwischen einer Herde Walkingschuhe durchzuwurschteln. Die nerven manchmal. Das sind die LKW auf dem Laufschuh-Highway.

Da kommst Du manchmal kaum dran vorbei, wenn sie sich nebeneinander über die Piste schieben.

Ich bin da eher ein Kombi. Größe 46. Geräumig. Bequem. Für fast alle Gelegenheiten.

 

Nachdem wir an Walkingschuhen und Stöcken vorbei sind, haben wir erst einmal freie Bahn. Zumindest fast. Bis auf die paar Pferdeäpfel da hinten auf dem Weg. Aber die wird der Chef ja wohl sehen.

 

„Der Linke“ hat die Äpfel auch gesehen und kriegt schon Schweißperlen an der Flexkerbe.

Der Chef macht keine Anstalten, den Düngerkugeln auszuweichen. Mensch – paß auf!!!

Im letzten Moment setzt er mit mir zum Sprung an und landet auf meinem Partner. Den hat’s an der Ferse erwischt. Ein bisschen Apfelmus klebt hinten dran. „Mist!“ flucht „der Linke“. Recht hat er. Ich lache mir meinen gebogenen Leisten noch krummer und kriege deshalb nicht mit, dass ich gerade in einer matschigen Pfütze lande. Jetzt lacht „der Linke“. Blödmann!

 

Als wir nach drei Seerunden am Auto ankommen bin ich wieder halbwegs trocken.

Auch mein linker Partner hat wieder eine musfreie Ferse.

Für heute ist es auch genug. Es war schön, aber ich fühle mich in der Zwischensohle ein bisschen gequetscht und irgendwo klemmt mir ein Stein im Profil.

Noch ein bisschen Pedalgehopse im Auto, dann werde ich wieder im Dunkeln bei den Kollegen im Regal stehen und hoffen, dass ich beim nächsten Lauf wieder der Auserwählte bin.

Bis dahin werde ich mir wohl wieder das Gesabbel des rechten Trailschuhs anhören müssen…

 

(11.03.06)

 


 

Es sind Zwillinge!

 

Größe und Gewicht sind nicht außergewöhnlich, aber sie sehen sich sehr, sehr ähnlich. Wobei es natürlich kleine individuelle Unterschiede gibt zwischen den beiden, die sie unverwechselbar machen.

 

Ich hatte mich schon lange auf sie gefreut. Aber es dauerte länger als geplant und es war auch eine ziemlich schwere Geburt, bis ich die beiden mit nach Hause nehmen konnte.

 

Jetzt liegen sie hier ganz friedlich und einträchtig nebeneinander.

 

Nachher will ich mit den beiden das erste Mal an die frische Luft.

Das wird ihnen bestimmt gefallen.

 

Ich werde sicher oft mit ihnen in die Natur gehen; ihnen ein bißchen was von der Welt zeigen.

Das habe ich mir fest vorgenommen.

 

Schön, daß sich hier wieder Nachwuchs einstellte.

 

Die Älteren müssen dann wohl in Zukunft mehr Zeit im Keller verbringen - bei den anderen Laufschuhen...     ;-))

 

(16.02.06)

 


 

 

Durch die Kulturen

-Eine Laufwanderung auf Malta in zwei (unfreiwilligen) Etappen-

 

Aufgrund der "Überlänge" und der Fotos steht der Bericht auf einer Extra-Seite. Und zwar hier

 

(18.11.05)

 


 

Einfach nur ein Trainingslauf.....?

 

Es regnet in Strömen, aber mein Trainingsplan sieht 12 Kilometer für mich vor. Ich will zum Harkortsee, ihn einmal umrunden, zwischendurch ein kleines Stück dranhängen – und fertig. Eigentlich.

Als ich am Wasserschloss Werdringen ankomme, hört es auf zu regnen. Wie praktisch.

Ich wollte ja eigentlich, wie immer, auf der schmalen Straße laufen. Aber dieser kleine Kiesweg, der direkt neben dem Parkplatz ins Feld führte, lockt mich. Die grobe Richtung stimmt – also los. Der Weg führt an Weiden vorbei und an einem Baum, der von Schwalben umschwirrt wird, die jedoch keinen Sommer bringen.

Ein paar Meter weiter erhebt sich ein Reiher elegant in die Lüfte, um dann bindfadenartig seine Verdauungsreste auf die Wiese abzuseilen.

Der Weg wird etwas schmaler; zahlreiche Pflanzen ragen im Wildwuchs in ihn hinein. Ich wurschtel mich mit kleinen Sprüngen und Seitwärtshüpfern durch Disteln, Brennnesseln und Herkulesstauden. Nicht ganz so einfach in kurzen Hosen, aber es geht.

Der Weg führt in den Wald herein. An einer Kreuzung entscheide ich mich, nach links zu laufen und lande auf einem angenehm zu laufenden, leicht bergab führenden Waldweg. Eine Wegkreuzung, eine Schranke – aha – ich bin wieder auf dem üblichen Weg gelandet, dem ich zunächst folge. Nach dem Wald links das Klärwerk. Mal riecht es dort etwas muffig, mal nach frischer Wäsche. Diesmal riecht es nach beidem. Zwischen Kaisberg und Ruhr geht es weiter durch das Viadukt und das Naturschutzgebiet. Manchmal quaken dort die Frösche – diesmal ist Ruhe.

Ich überquere die Ruhrbrücke und bin in Herdecke. Auf dem Fuß- und Radweg muß man bei schönem Wetter Slalom laufen, aber fehlender Sonnenschein und drohender Regen halten die Radler, Skater, Spaziergänger und Stockschwinger in den heimischen vier Wänden. Ich habe den Weg fast für mich allein. Ich unterquere wieder das Viadukt und komme kurze Zeit später ins Zillertal. Schürzenjäger sucht man hier wohl vergeblich, aber einen Miniaturgolfplatz gibt es. Die riesige Rhododendron dort ist mir vorher nie aufgefallen. Auf gewohnten Wegen geht es Richtung Wetter. Selbiges verschlechtert sich etwas; es fängt an zu nieseln. Die kleinen Tröpfchen stören jedoch nicht, sondern sind erfrischend.

Im Harkortsee grassiert aufgrund der warmen Witterung in letzter Zeit die Wasserpest. Der See sieht eher nach einer Wiese bei Hochwasser aus. Etwas später tauchen im Wasser die Gestelle mit den Kanupolo-Toren auf. Vor ein paar Tagen hat eine Spielerin des Vereins mit der Nationalmannschaft bei den World Games die Goldmedaille geholt. Ein Transparent am Vereinsheim mit aufgeklebter Goldmedaille gratuliert ihr. Ich gratuliere ihr im Geiste und laufe weiter. Vorbei am Bootsanleger, unter der Eisenbahnbrücke durch. Am Obergraben entlang nehme ich den Hinweg des Zusatzstückes unter die Füße. Weiter als bis zur Pizzeria, an der ich umkehren müsste, bin ich hier noch nie langgelaufen. Ich laufe aber diesmal ein paar Meter weiter, um zu sehen, wo der Weg hinführt. Und noch ein paar Meter. Und noch ein paar. Der Weg müsste ja wieder zur Ruhr runterführen, wenn ich den Stadtplan richtig in Erinnerung habe. Und irgendwie müsste man ja auch wieder über die Ruhr rüberkommen. Die Beine sind fit, ein Trinkfläschen noch gefüllt. Ich fühle mich gut, pfeife auf den Plan und beschließe weiterzulaufen. Der asphaltierte Weg führt nach links und tatsächlich wieder zur Ruhr. Links der Fluß, rechts Gewerbebetriebe. Nicht schön, aber interessant. Der Blick wandert. Ich laufe. Vor mir taucht eine Ruhrbrücke auf. Ich überquere sie und laufe auf der anderen Seite der Ruhr zurück.

Der Bahnstrecke auf der linken Seite folgen verlassene, ältere Fabrikgebäude.

Der Läufer, also ich, vor dem morbiden Charme einer graffitibesprühten Fabrikruine. Das erinnert mich an irgendeine Sportartikelwerbung aus der Laufzeitschrift und wirkt irgendwie surreal. Ich hätte jetzt auch gerne ein Foto.

Ein Stückchen weiter biege ich nach links und bin in den Ruhrauen. Gerade mal ein paar Meter weiter, aber eine ganz andere Umgebung.

Hier kenne ich wieder jeden Meter, da ich hier schon häufiger Tempoläufe gemacht habe. Ich laufe weiter zwischen den Maisfeldern durch und sehe über mir zwei Raubvögel kreisen. Ich erinnere mich an die Story von „Laufkollege“ Toto, der im Wald von Raubvögeln attackiert wurde und ungefragt seine Laufmütze gegen Kratzer eintauschen musste. Mir wird etwas mulmig und ich versuche, die Burschen im Auge zu behalten, sehe sie dann aber wegen Bäumen nicht mehr. Ich laufe weiter, drehe mich aber alle paar Meter um, um bei einem drohenden Angriff von hinten reagieren zu können. Es passiert aber nichts und nach den Kleingärten zeigt ein Radwegweiser 1,6 Kilometer bis zum Wasserschloß an. Der Lauf neigt sich dem Ende zu, aber ich laufe nicht den normalen Weg, sondern teste noch eine Alternativstrecke, die mich über einen schmalen Waldweg führt. Nach einer Stunde und vierzig Minuten und ungefähr 16 Kilometern bin ich wieder am Auto. Zufrieden. Mit einem Hauch Runners High.

Einfach nur ein Trainingslauf? Vielleicht – aber einer, der mir aufgrund der vielen Eindrücke besonders in Erinnerung bleiben wird.

 

(23.07.05)  

 


 

 

Werbung kann so blöd sein...

 

Da war sie wieder: die Radio-Bierwerbung, in der es sinngemäß darum ging, sich für vollbrachte Taten selbst „königlich“ zu belohnen.

Eine Männerstimme verkündete  „Die Sohlen meiner Schuhe waren total durchgewetzt – aber ich wußte, der erste Triathlon ist geschafft!“.

In was für Tretern ist der imaginäre Triathlet wohl gelaufen, wenn davon seine Sohlen durchgewetzt sind?

In Badeschlappen?

In Filzpantoffeln??

Oder gar in Ballerinaschühchen???

 

Vielleicht hat er die Schwimmetappe ja auch mit Schwimmflügelchen absolviert und die Radetappe auf dem Hollandrad?

Dann kippt er sein Bier ja jetzt sicher auch über die brennenden Füße und nicht in den Hals...

 

(07.05.05)

 


 

 

Ein unfreiwilliger Crosslauf

 

Eigentlich wollte ich ja heute beim Westfalenparklauf in Dortmund starten. Aber dies mußte ich aus verkehrstechnischen Gründen leider abblasen (noch Sommerreifen am Auto...).

Ich entschloß mich daher, ein lockeres Schnee-Läufchen im Wald einzuschieben.
Also rein in die Trailtreter und rauf auf den Berg (was man hier am Rande des Sauerlandes so Berg nennt).
Vorbei an reichlich vorhandenen Pfützen und einem Rudel schimpfender Gänse hinein in den Wald.
Und dann habe ich erst einmal dumm geguckt!
Der Waldweg war nicht matschig - nein!! Es war eigentlich gar kein Weg mehr zu erkennen!!! Nicht nur, daß Regen und Schnee der letzten Tage den Boden komplett durchweicht hatten (womit ich ja gerechnet habe) - Horden von Waldarbeitern haben hier offensichtlich mit schwerem Gerät eine meiner Hausstrecken verwüstet und umgepflügt!
Egal - nix wie durch. Aber das wie von außergalaktischen Erdwürmern umgewühlte Geläuf zog sich und ich mußte einigermaßen zügig und aufmerksam laufen, um nicht stecken zu bleiben. Gelegentlich verschwand trotzdem mal ein Fuß im Morast und meine Tight sah schon nach wenigen Metern so aus als hätte sie die Pocken.
Deutlich langsamer, aber angestrengter als sonst kam ich dann nach einer knappen 1/4 Stunde aus dem Wald und an einen ansteigenden Feldweg. Der Bach, der hier herunterlief, war mir auch neu...
Endlich ein Stückchen Asphalt, dann das nächste Waldstück. Diesmal „nur“ matschig - hier waren die Waldschrate wohl noch nicht. Dann nochmal ein Stück Asphaltweg über Land, zum Wendepunkt und das Ganze zurück. Am Beginn des umgekrempelten Waldstückes diesmal ein Zettel am Baum: „Weg wegen Waldarbeiten zur Zeit nicht begehbar. Wir bitten um Verständnis. Ihre Forstverwaltung“ oder so ähnlich. Aha! Hatte ich inzwischen aber auch selbst gemerkt...
Da ich den Weg ja nicht begehen, sondern belaufen wollte, tat ich dies und nahm auf dem Rückweg nochmal die Fangopackung für die Füße.
Wegrutschend und einsackend kämpfte ich mich vorwärts. Wenigstens hatte ich den Weg diesmal ganz alleine für mich. Irgendwann hatte die Schlammschlacht dann jedoch ihr Ende und das laufende Erdferkel kam nach einer knappen Stunde wieder zu Hause an und entkleidete sich direkt in die Waschmaschine.
Jetzt habe ich eine ungefähre Vorstellung davon, was Crossläufer so leisten...

 

(20.11.2004)

 


 

 

Der besondere Trainingslauf – Begleitung von Lan Demiri und Holger Schipper beim Spendenmarathon „Tortour de Ruhr“

 

Es stand in der Zeitung: die beiden Extremläufer Lan Demiri und Holger Schipper haben zum dritten Mal einen Spendenlauf zugunsten wohltätiger Zwecke organisiert. Innerhalb von 11 Tagen wollen sie 10 Marathonläufe absolvieren, dabei das Ruhrgebiet durchqueren und am 24.4. am Parkplatz Hengsteysee, Dortmunder Str., eine Etappe über Herdecke, Wetter und Witten nach Bochum starten. Dabei würden sie auf die Begleitung vieler Hobbyläufer hoffen.

 

Ich änderte daraufhin meine Trainingsplanung etwas und zog den langen Lauf von Sonntag auf Samstag vor, um die beiden im Pulk mit anderen Läufern bis Wetter zu begleiten und dann alleine zurückzulaufen.

Um 8.00 war ich pünktlich am Motorradtreff angelangt. Lan, Holger und ein paar aus dem Team sowie Oberbürgermeister Wilfried Horn waren da. Aber kein anderer Läufer!

Das wird wohl daran gelegen haben, daß am nächsten Tag der 2. Ruhrmarathon (von Dortmund nach Essen) startete und sich am Vortag kein „normaler“ Läufer mehr einen langen Lauf antut.

Nachdem der OB noch einen symbolischen Scheck überreicht hatte, begaben wir uns, begleitet durch den mit Fahrrad, Karte und Verpflegung ausgerüsteten Begleiter Michael Westphal, in angenehmem Lauftempo zu dritt auf die Strecke, die uns über die Brücke auf die Dortmunder Seite des Hengsteysees und dann entlang des Hengsteysees, der Ruhr und des Harkortsees zunächst bis Wetter führte.

Es war sonst kaum jemand unterwegs.

Über das Laufen und die Sehenswürdigkeiten an der Strecke plaudernd erreichten wir bei herrlichem, sonnigem Wetter, optimalen Temperaturen und Windstille, die die Seen fast wie Spiegel aussehen ließ, nach ungefähr einer Stunde Wetter.

Die drei waren von der Strecke sehr angetan, und auch auf mich strahlte sie aufgrund des tollen Wetters und des geringen „Gegenverkehrs“ an diesem Morgen einen besonderen Zauber aus, obwohl ich sie schon -zig mal gelaufen bin.

Eine ungewöhnliche und etwas lustige Begegnung hatten wir auch noch: kurz vor Wetter kam uns ein 4 Läuferinnen starkes Grüppchen entgegen; offensichtlich Türkinnen, von denen einige in weiten Sachen und mit Kopftuch liefen. Das sieht man auch nicht alle Tage.

An der Eisenbahnbrücke verabschiedete ich mich von den dreien. Auf Holgers Wunsch hin haben sie schnell noch ein gemeinsames Foto gemacht.

Während die Strecke der drei weiter Richtung Kemnader Stausee führte, trat ich den Rückweg an.

Ich lernte Lan (41 J., Restauranteigentümer des Bochumer „Waldhaus“) und Holger (42 J., Kaufmann für Herzkatheter) als sehr nette, sympathische Läufer kennen, denen ich sowohl hinsichtlich der läuferischen Leistung als auch hinsichtlich des damit verbundenen sozialen Engagements hohen Respekt zolle.

Aufgrund der interessanten Begegnung mit den beiden und des tollen Naturerlebnisses war dies einer meiner schönsten Läufe überhaupt, wofür sich das frühe Aufstehen allemal gelohnt hat.

 

(April 2004)

 


 

 

Altersläufer

  

Die Zeiten, als ich Abitur machte, sind jetzt auch schon über 17 Jahre her.

Die Schüler und Schülerinnen, die demnächst davor stehen und das beste Läuferalter erreichen, könnten altersmäßig meine Kinder sein.

Ich selber, der langsam auf die 40 zugeht, erst seit eineinhalb Jahren läuft und bei Wettkämpfen schon froh ist, wenn er in Langstreckenrennen bei den Platzierungen die hintere Hälfte des Mitteldrittels erreicht, wird die Zeiten, die die talentierten Jungspunde bis AK 25 erzielen, sicher nie erreichen.

Dessen bin ich mir voll bewußt.

Das ist nun mal der Tribut, dem man dem fortschreitenden Alter zollen muß. Auch schon Ende dreißig.

 

Aber es ist nicht so, als würden nur junge Hüpfer vor mir im Ziel sein.

Oft genug werde ich von schlanken, schlohweißen Herren, die das Rentenalter bereits locker erreicht haben dürften, überholt. Auch so manche Läuferin älteren Baujahrs ist schon an mir vorbeigezogen.

Im Vergleich zu diesen Läufern bin ich der Jungspund, der vom Alter her das Kind sein könnte.

Und trotzdem sind diese Seniorenläufer schneller auf den Beinen als ich.

 

Gut; sicher stecken meist Jahrzehnte mehr Training in diesen Beinen als in meinen und ich bin ja noch nicht so lange dabei und auch noch etwas übergewichtig.

 

Nichts desto trotz empfinde ich für die Leistungen der Läufer dieser Altersklassen hohen Respekt und hohe Anerkennung.

Nicht nur für die, die schneller sind als ich.

Sondern für alle die, die sich nach dem sechsten Jahrzehnt Ihres Lebens aktiv als Läufer betätigen und Langstreckenläufe finishen; egal in welcher Zeit.

Von denen, die, wenn auch eher im hinteren Feld, Ultraläufe erfolgreich bestreiten, ganz zu schweigen.

Da könnte ich glatt von meinem Schreibtischstuhl aufstehen und stehend applaudieren.

 

In unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft dürften sich die meisten Menschen über 60 bereits vom aktiven Sport verabschiedet haben, sofern sie jemals welchen betrieben haben.

Einige haben sich für „einarmiges Reißen“ am Tresen als „Sportart“ entschieden oder trainieren Ihre Fingermuskulatur beim herumzappen mit der Fernbedienung.

Die meisten, wette ich, verbringen sicher mehr Zeit im Wartezimmer des Arztes als auf dem Fahrrad oder trabend in Laufschuhen und sind von ihrem Idealgewicht soweit entfernt wie Daniel Küblböck von drei richtig gesungenen Tönen hintereinander.

 

Aber es gibt eben auch die, die sich aus Spaß am Laufen, zur Erhaltung der Gesundheit oder vielleicht auch aufgrund jahrzehntelanger Gewohnheit regelmäßig die Laufschuhe zuschnüren, statt sich in Pantoffeln vor die Glotze zu setzen und den Ruhestand mit Vera am Mittag zu verbringen.

 

Ich hoffe, daß ich in 25 bis 30 Jahren, in Ehren ergraut, auch noch in der Lage sein werde, meine Füße laufend durch die Landschaft zu tragen und manch Jüngerem die Fersen zu zeigen.

 

Ich wünsche den Seniorenläufern und –läuferinnen noch viele tausend Kilometer in Ihren Laufschuhen und zolle ihnen nochmals meinen Respekt.

 

(Dezember 2003)

 


 

 

"Bewußte" Ernährung

oder

Die harte und die weiche Seite des Läufers

 

In mir stecken zwei Läuferseelen.

 

Auf der einen Seite die des einigermaßen ambitionierten Freizeitläufers, der schon ein paar Wettbewerbe hinter sich gebracht hat und seit dem ersten Halbmarathon im Sommer die Schwelle vom Anfänger zum fortgeschrittenen Läufer überschritten haben dürfte.

Die des Läufers, der schon ein ganz gutes Grundlagenwissen hat und sich recht konsequent auf Wettbewerbe vorbereitet und dessen Ziel es unter anderem ist, seine Zeiten zu verbessern und 2004 den ersten Marathon zu laufen.

Die des Enddreißigers, der sich mit Fahrtspielen und Intervalltrainings auch in unbequeme Laufbereiche begibt und sich auch von schlechten Wetter nicht schrecken läßt.

Die des Hobbysportlers, der sich vor Wettbewerben seine Kohlenhydratspeicher auffüllt und darauf achtet, dabei nicht zu früh, zu spät, zu viel, zu wenig oder das Falsche zu essen und zu trinken.

 

Oh ja, ich ernähre mich bewußt!

 

Und da ist auch schon die andere Seele des Läufers.

Die des etwas übergewichtigen Läufers, der schon einige Kilos verloren hat, aber auch noch einige vom idealen Läufer-BMI entfernt liegt.

 

Bewußte Ernährung heißt in meinem Fall: ich bin mir jeder meiner kulinarischen Sünden bewußt.

 

Die andere Seele des ambitionierten Freizeitläufer ist bei der Ernährung nämlich nicht so konsequent und unterliegt leider zu häufig den süßen, kulinarischen Versuchungen.

Chips, Flips und deren Kollegen aus den Knistertüten so wie Alkohol locken mich kaum oder gar nicht.

Aber Marmorkuchen vom Markt, die legendären Nougatrollen mit Marzipanhülle und Schokoladenüberzug aus der Nachbarstadt (mir läuft beim Schreiben schon das Wasser im Mund zusammen...), Mohnkuchen mit und ohne Streusel und was das Bäckerhandwerk noch so alles aus dem Ofen zaubert.

Und dann gibt es noch die göttliche Kaffee-Sahne-Schokolade aus dem Discounter, wo es auch Al di anderen Verführer wie Blätterkrokant, Rumstreuseleier, Trüffeleier und was weiß ich noch gibt.

 

Ja, ich gestehe: ich bin ein Schoko-Junkie!

 

Einer, der sich, teils unter Nervenstress, teils auch einfach unbeherrscht, nahezu hemmungslos dem kakaohaltigen Naschkram hingeben kann.

Einer, bei dem nach dem „Anfall“ das schlechte Gewissen Einkehr hält.

Einer, der sich hinterher jedesmal selbst Besserung gelobt und den guten Vorsatz kurze Zeit später wieder verdrängt.

 

Es gibt so viele ungesunde Gaumenschmeichler und der arme Läufer ist ganz alleine und hoffnungslos unterlegen.

 

Aber schließlich ist man ja nicht nur Läufer, sondern hauptsächlich Mensch...

 

(Dezember 2003)

 
 

 

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